07/10/2026 0 Kommentare
Neues Dach für St. Elisabeth: Ziel ist „geschlossenes Dach und offene Kirche“
Neues Dach für St. Elisabeth: Ziel ist „geschlossenes Dach und offene Kirche“
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Neues Dach für St. Elisabeth: Ziel ist „geschlossenes Dach und offene Kirche“
Erste Dachträger liegen auf, nachdem das Kirchendach im November 2023 komplett einstürzte. Arbeiten sollen zum Jahresende abgeschlossen sein. Elisabethkirche soll „unperfekt mit Schrammen und offen für Entwicklung“ sein.
Der Wiederaufbau des Daches der Kasseler Elisabethkirche geht in eine entscheidende Phase: Nach der Demontage des Notdaches beginnt jetzt die Montage der neuen Dachkonstruktion. Sie besteht aus 16 vorgefertigten Holzbindern, die auf dem Kirchenvorplatz angeliefert werden. In den folgenden Tagen werden sie mit einem Kran auf die vorbereiteten Auflager des Mauerwerks gesetzt. Auf der hölzernen Grundkonstruktion werden anschließend moderne Sandwichelemente mit Metalloberfläche als Dachhaut montiert. Ziel ist, dass die Gemeinde im neuen Jahr wieder in ihre Kirche kann.
„Die Kirche wird nicht einfach in altem Glanz erstrahlen, wie man nach Sanierungen gerne sagt“, so Diözesanbaumeister Martin Matl (Bistum Fulda). Bewusst werden einfach Bauelemente aus der Industriearchitektur genutzt. Die Kirche wird in den kommenden Jahren unfertig, unperfekt und offen für Entwicklungen wirken. Eine Arbeitsgruppe aus Pfarrei und Bistum erstellt mehrere Konzepte für die langfristige Entwicklung an diesem Standort. Gottesdienste und Kulturveranstaltungen sollen ab 2027 wieder beginnen. Für die nächsten Monate und gegebenenfalls Jahre ist zunächst eine Übergangslösung vorgesehen. Sie soll ermöglichen, den Kirchenraum in seinem derzeitigen Zustand ohne weitere Sanierungsmaßnahmen zu nutzen. Ein erstes Kunstprojekt ist für den documenta-Sommer geplant: Eine Klanginstallation von Jan Werner soll mit dem Material der zerstörten Orgel arbeiten. Im Anschluss sind auch wieder Kulturveranstaltungen in der Elisabethkirche vorgesehen.
Unfertigkeit als Chance
Gemeindemitglied Marcus Leitschuh sieht eine Chance darin, dass „Schrammen und Risse im Gebäude erhalten bleiben, weil das ausstrahlt, dass Kirche auch nicht perfekt ist und ein Hoffnungsort für Menschen ist, die auch Risse, Verletzungen, Verwundungen und Schrammen aus ihrem Leben kennen.“ In seinen Augen bietet die Elisabethkirche auch eine Chance in der Unfertigkeit. „Wo etwas unfertig ist, ist Entwicklung möglich, Veränderung und Eingehen auf die Bedürfnisse der Menschen und das Wirken des Heiligen Geistes mit seinen kreativen Ideen“, so Leitschuh.
„Das Ziel ist, dass die Kirche an dieser Stelle weiter präsent ist, so wie es auch eine bundesweite Umfrage zur Zukunft der Elisabethkirche als Wunsch ergeben hat“, betont Marcus Leitschuh. Veränderungen könnte es z.B. durch Neubauten auf freien Flächen und neue Funktionen als Ergänzung des Kirchengebäudes geben, wie z.B. Wohnungen. In der Kirche soll nach Wunsch vieler Menschen weiter Gottesdienst und Kultur als offener Ort für die Stadt möglich sein.
Konstruktion berücksichtigt die vorhandenen Kirchenmauern
Dominik Dönicke, Geschäftsführer der HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH Kassel, berichtete über den konkreten Baufortschritt. Die 16 Dachbinder bestehen aus Brettschichtholz der Festigkeitsklasse GL24h und werden in einem Abstand von rund 2,60 Metern montiert. Die regulären Binder wiegen jeweils etwa eine Tonne und erreichen am First eine Höhe von bis zu rund 1,21 Metern. Die Dachneigung beträgt etwa zehn Grad.
Die Binder folgen der Form der ursprünglichen Träger und passen dadurch in die vorhandenen Nischen der Giebelwände. Neue Stahlauflager lassen begrenzte horizontale Bewegungen zu. Dönicke: „So kann die Dachkonstruktion Bewegungen der hohen Kirchenschiffswände bei Wind besser aufnehmen und zusätzliche Beanspruchungen reduzieren.“
Eine abschließende Auskunft zu den Kosten des neuen Daches ist derzeit noch nicht möglich. Zusammen mit den Sicherungsmaßnahmen der vergangenen drei Jahre haben die Aufwendungen allerdings bereits die Millionengrenze überschritten.
Informationen unter www.zukunft-elisabethkirche.de und im YouTube-Kanal www.youtube.com/@elisabethkirchekassel


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