Kirchenräume neu denken – Eindrucksvolle Tagesfahrt zur Manifesta 16 Ruhr

Kirchenräume neu denken – Eindrucksvolle Tagesfahrt zur Manifesta 16 Ruhr

Kirchenräume neu denken – Eindrucksvolle Tagesfahrt zur Manifesta 16 Ruhr

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Kirchenräume neu denken – Eindrucksvolle Tagesfahrt zur Manifesta 16 Ruhr

Wie können ehemalige Kirchen zu neuen Orten für Kunst, Begegnung und gesellschaftlichen Austausch werden? Dieser Frage ging eine Tagesfahrt nach, die das Bildungsforum St. Michael am 11. September 2026 in Kooperation mit der Pfarrei Sankt Elisabeth anbot. Ziel war die „Manifesta 16 Ruhr“, die in leerstehenden Kirchen im Ruhrgebiet zeitgenössische Kunst präsentiert und neue Perspektiven für die Nutzung sakraler Räume eröffnet. Pfarrer André Lemmer und Michaela Tünnemann begleiteten die Gruppe fachkundig. 

In der Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg beeindruckte vor allem die monumentale Klanginstallation „Ouranophobia 47051“ von Abbas Zahedi. Dafür wurden ausgemusterte und beschädigte Orgelpfeifen aus verschiedenen europäischen Kirchen zusammengetragen. Ein Teil stammt aus der durch einen Brand schwer beschädigten Sankt-Nikolaus-Kirche in Kyjiw. Über den Kirchenraum verteilt, wirkten die Pfeifen zugleich wie Fragmente eines zerstörten Instruments und wie eine neue, vielstimmige Orgel. Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit Krieg, gesellschaftlichen Brüchen sowie der Bedeutung von Kirchen als Orte gemeinsamer Erinnerung. 

Eine weitere Station war die ehemalige Kirche Sankt Bonifatius, die für die Manifesta in „Ferdane Satırs Teegarten“ umbenannt wurde. Ferdane Satır gehörte zu den sieben Menschen türkischer Herkunft, die 1984 bei einem rassistischen Brandanschlag in Duisburg ums Leben kamen. Gemälde, Fotografien und Installationen griffen Erfahrungen von Migration, Arbeit, Ausgrenzung und Heimat auf. Zugleich verwandelten Pflanzen, Hochbeete und ein gemeinschaftlicher Garten den Ort in einen Raum der Begegnung. Besonders eindrücklich war das Zusammenspiel aus Kunst, persönlicher Erinnerung und politischer Geschichte.

In Gelsenkirchen besuchte die Gruppe zunächst die ehemalige Thomaskirche. Unter dem Titel „Hava Güleçs Wohnzimmer“ erinnert der Ausstellungsort an eine türkische Fabrikarbeiterin, die sich für den Zusammenhalt in ihrem Stadtteil engagierte. Fotografien, Porträts, textile Arbeiten und raumgreifende Installationen erzählten von Arbeitsmigration, weiblichen Lebenswegen, Erinnerung und Zugehörigkeit. Die Kunstwerke waren dabei nicht einfach in den Kirchenraum hineingestellt, sondern verbanden sich mit seiner Architektur und Geschichte.

Die Fahrt bot nicht nur spannende Einblicke in aktuelle Kunst. Sie berührte auch eine Frage, die für viele Gemeinden zunehmend wichtig wird: Was geschieht mit Kirchen, wenn sie nicht mehr in ihrer bisherigen Form genutzt werden können? Die Manifesta zeigte eindrucksvoll, dass solche Gebäude weiterhin Orte der Erinnerung, der Auseinandersetzung, der Kreativität und der Gemeinschaft sein können.

Mit zahlreichen Eindrücken und vielen Anregungen für die Zukunft kirchlicher Räume kehrte die Gruppe am Abend nach Kassel zurück.

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