Katholikenrat und Priesterrat zu Erfahrungen gelingender Zusammenarbeit

10.10.2020

Auf dem Hintergrund der römischen Instruktion ‚Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche‘ setzten der Priesterrat und der Katholikenrat der Diözese Fulda mit einer gemeinsamen Sitzung ein Zeichen der Zusammenarbeit. Erstmals tagten beide Gremien im Dompfarrzentrum. Themen des Treffens waren die ‚Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarrgemeinde‘ und die Zukunft synodaler Zusammenarbeit im Bistum.


Der Vorsitzende des Katholikenrates Steffen Flicker berichtete von der Irritation vieler Ehrenamtlicher. Der Widerstand, den viele formulierten, liege seiner Beobachtung nach aber weniger auf der inhaltlichen als auf der emotionalen Ebene. Mit der dort festgeschriebenen Form von kirchlichem Leitungsverständnis habe man seit 10, 20 und mehr Jahren abgeschlossen. Die Instruktion beziehe eine Position, die einfach kein Erfolgsmodell mehr sei.

In seiner Einführung zur römischen Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde" erläuterte Bischof Dr. Michael Gerber, dass ihn selten so viele unterschiedliche, auch sehr emotionale Rückmeldungen erreicht hätten. Für ihn als Bischof bedeute Leitung, so gut es irgendwie gehe, Fühlung zu haben mit dem faktischen Leben vor Ort. Aussagen von in der Weltkirche wirkenden bischöflichen Mitgliedern der Kongregation, dass auch sie nicht in die Erarbeitung des Textes der Instruktion eingebunden waren, haben ihn deshalb irritiert. Die pastorale Umkehr und die missionarische Ausrichtung der Kirche insgesamt, nicht nur der Pfarrgemeinden, seien allerdings zentrale Aussagen der Instruktion. Nur wenn Kirche im tieferen Sinn um ihr ‚Warum‘ wisse, sei sie auskunftsfähig in einer pluralen Wirklichkeit. Die Vergewisserung über dieses ‚Warum‘ sei nur gemeinsam möglich. Deshalb sei Kirche als Volk Gottes letztlich Suchgemeinschaft.

Wie synodale Zusammenarbeit konkret werden kann, darüber sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im zweiten Teil der Konferenz. Katholikenratsmitglied Marcus Leitschuh, Kassel, zitierte Kardinal Reinhard Marx, der synodales Handeln mit „der Andere könnte auch Recht haben" übersetzt hat. Leitschuh definierte Synodalität als ein „miteinander Sprechen, aufeinander Hören und in Transparenz Entscheiden". „Synodale Zusammenarbeit darf nie in einer Kultur der Folgenlosigkeit enden", so Marcus Leitschuh, der auch Mitglied in der Vollversammlung des „Synodalen Weges" für das Bistum Fulda ist.  Synodalität sei, so Leitschuh, eine schon früh geübte Haltung der Kirche. Leitschuh zitierte Papst Franziskus, der eine Intensivierung der synodalen Zusammenarbeit fordere. Synodales Handeln sei nach den Worten des Papstes „die Perspektive, unter der wir wirklich unsere Pastoral erneuern … können".

Im Gespräch tauschten sich Priester und Laien über Erfahrungen der Synodalität im Bistum Fulda aus. Die Konferenz, so der Vorsitzende des Katholikenrat Steffen Flicker, sei erster Schritt auf dem gemeinsamen Weg zu einer verbindlichen Zusammenarbeit auf diözesaner Ebene. Der Sprecher des Priesterrates, Dr. Michael Müller, betonte, dass die Kirche sich ändern müsse, weil sich die Welt ändere, in der das Evangelium verkündet werden müsse. Die Tagung wurde begleitet von Relindis Knöchelmann, die den Tagungsteilnehmern Mut zusprach, Gottes Geist Raum zu geben und sich als suchendes Volk Gottes zu verstehen.