Stärker als Leid und Tod

09.04.2020

Wer heute davon spricht, dass Ostern stärker ist als Leid und Tod, der sagt zwar aus dem christlichen Glauben heraus das Richtige. „Aber der Alltag, den uns in diesen Tagen die Coronavirus-Pandemie abverlangt, fordert genau diese Osterfreude drastisch heraus.“ sagt Martin Gies, Dechant des katholischen Dekanats Kassel-Hofgeismar. Für Pastoralreferent Stefan Ahr vom Dekanatsteam ist „Ostern der Aufstand Gottes gegen Gewalt und Tod, erfahrbar in der gemeinsamen Anstrengung um die Eindämmung des Coronavirus und im tagtäglichen Einsatz von Verkäuferinnen wie Rettungskräften, vom medizinischen Personal wie Polizisten, von Wissenschaftler und Politikern, die weltweit um den richtigen Weg ringen.“

Ostern: sich für die Würde des Menschen einsetzen

Dechant Gies wird die gemeinschaftlich gefeierten Ostergottesdienste sehr vermissen. Besonders traurig und wütend stimmt ihn jedoch die Tatenlosigkeit und Uneinigkeit der EU-Länder gegenüber dem Schicksal der vor dem Krieg geflüchteten Menschen. „Ostern feiern und sich für die Würde des Menschen einzusetzen, gehören für mich untrennbar zusammen.“ Dazu gehört für Stefan Ahr, dass die unhaltbare Situation der Flüchtlinge in den Lagern weltweit und besonders in Griechenland nicht in Vergessenheit geraten darf. Allein im Lager Moria auf der Insel Lesbos, eingerichtet für 3000 Menschen, leben fast 20000 Flüchtlinge auf engstem Raum, darunter mehrere Tausend Kinder.

 

Ökumenischer Osterappell

Jetzt sollen 1500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Europa aufgenommen werden. Das kann nur ein Anfang der Hilfe sein. Deshalb schließt sich das Dekanat Kassel-Hofgeismar dem „Ökumenischen Osterappell“ der Aktion Seebrücke an. Er fordert unter anderem dazu auf, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Dr. Georg Bätzing per E-Mail (bischof@bistum-limburg.de) den Rücken zu stärken, sich weiter für die Flüchtlinge in den Lagern einzusetzen.

 

Unerwartetes Oster-Zeichen

Für Pastoralreferentin Beatrix Ahr, die mit Stefan Ahr und Dechant Martin Gies das Dekanatsteam bildet, ist Ostern nicht nur ein Fest der Kirchen, sondern auch Gelegenheit, in der Nachbarschaft „Zeichen des Lebens“ zu verschenken. „Wer freut sich nicht über solch ein unerwartetes Zeichen, das vor der Haus- oder Wohnungstür abgelegt ist: Osterei, Osterhase und Osterstrauß als Symbole des Lebens oder einfach ein schriftlicher Ostergruß.“ Wem könnte ich damit eine Freude machen? Mit wem verbindet mich etwas? Wer fällt aus meinem Blickfeld? Wem täte eine Ermutigung fürs Leben gut? „Diese Fragen sind vielleicht nicht nur an diesem außergewöhnlichen Osterfest wichtig, sondern auch im alltäglichen Leben“, betont Beatrix Ahr.

 

Extra: der neue Video-Impuls „SAMSTAGS-17“

Das Dekanatsteam lädt wöchentlich auf www.katholische-kirche-kassel.de/impuls zu Orgelmusik und Impulsen aus verschiedenen Kirchen des Dekanats ein. „SAMSTAGS-17 - Impulse in Zeiten von Covid-19" heißt die neue Reihe, in der Dechant Martin Gies, Pastoralreferent Stefan Ahr und Pastoralreferentin Beatrix Ahr jeden Samstag ab 17 Uhr im wöchentlichen Wechsel darüber sprechen und schreiben, was sie in diesen Wochen beobachten, was sie nachdenklich stimmt, was ihnen Sorgen bereitet, ihnen Mut macht und was sie anregt. Die Musik zum Impuls gestaltet Regionalkantor und Organist Thomas Pieper, an Ostern auch zusammen mit der Sopranistin Traudl Schmaderer.


Foto: vorne Pfarrer Martin Gies, dahinter Beatrix und Stefan Ahr 
Foto: vorne Pfarrer Martin Gies, dahinter Beatrix und Stefan Ahr