Ostergruß von Pfarrer Peter Bulowski

Pfarrer Peter Bulowski beginnt seinen Gruß an die Gemeinde mit den Worten: "Ostern vor 2000 Jahren ist in die Menschheitsgeschichte eingegangen und auch mit dem Osterfest 2020 wird es so sein."


Mit einem Osterbild aus einem alten Kodex aus dem 13. Jahrhundert grüße ich  Sie alle. Dort ist dargestellt, wie der auferstandene Herr den Jüngern am See von  Tiberias begegnet. Der Evangelist Johannes berichtet von diesem Ereignis (Joh  21,1-14). Damals haben die Jünger von ihrem Meister Abschied genommen. Der  Tag der Kreuzigung war vorbei, verbunden mit einer großen Enttäuschung, wie  alles gekommen ist. Seine Worte sind längst in Vergessenheit geraten, dass er  leiden und sterben müsse, aber am dritten Tag auferstehen werde. Die  Enttäuschung war zu groß. Ostern ist an ihnen spurlos vorübergegangen. Man  geht seiner täglichen Arbeit wieder nach; Petrus und seine Gefährten als Fischer  auf dem See von Tiberias. Die ganze Nacht haben sie gearbeitet - erfolglos.
 
Da begegnen sie einem Mann am Ufer, erkennen ihn aber nicht. Auf seine Frage  hin müssen sie ihren Misserfolg zugeben: Wir haben nichts gefangen; haben  nichts zu essen. Es geschieht etwas Erstaunliches: der Fremde fordert sie auf,  noch einmal hinaus zu fahren und das Netz auf der rechten Seite des Bootes  auszuwerfen. Die Fachleute lassen sich von dem Fremden etwas sagen. Sie  nehmen noch einmal alle ihre Kräfte zusammen und fahren trotz ihrer Müdigkeit  und Frustration noch einmal hinaus. Der Erfolg ist überwältigend: 153 große  Fische. Die Netze sind am Zerreißen. Da erkennt einer der Jünger, Johannes, den Fremden am Ufer: es ist ihr Herr und  Meister, Jesus. Und er sagt zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Das sind die  entscheidenden Worte. Jetzt wird es Ostern für Johannes, für Petrus und für alle  Jünger …  und für alle Menschen der Welt, die diese Worte hören und ihnen  Einlass gewähren.
 
 
Wie können wir heute Ostern feiern? Das Coronavirus hat uns quasi das 
Osterfest, wie wir es gewohnt sind, blockiert. Den Palmsonntag mit der Palm- prozession, das Abendmahlsamt am Gründonnerstag, den Gottesdienst für  Kinder, die Nachtwache zum Karfreitag, die Laudes und den Kreuzweg am  Karfreitag, und vor allem die Kreuzesliturgie, und an höchster Stelle die  Osternachtfeier mit seiner reichhaltigen Symbolik von Licht und Wasser, die  Lesungen und die Eucharistiefeier. Alles ist in diesem Jahr so wie bisher  gewohnt leider nicht möglich.  Fällt Ostern in diesem Jahr aus? Keineswegs! Wenn einem aufgegangen ist,  „Es ist der Herr!“, und wenn wir das einander sagen können, dann ist Ostern.  Damals wie heute.
 
Am Ufer war ein Feuer mit Brot und Fisch. Jesus gibt ihnen zu essen. Und aus den  Fischern am See werden Menschenfischer. Sie gehen in alle Welt, um zu  verkünden, was sie mit ihrem Herrn und Meister erlebt haben … auch am See  von Tiberias. Bis zu uns ist diese frohe Botschaft gelangt. Wir sind heute  diejenigen, die das Evangelium hören und die es weitersagen können. Wir sind  berufen, die Evangelisten zu sein. Das Coronavirus kann uns nicht hindern, Ostern zu feiern, anders als gewohnt,  aber doch mit ganzem Herzen. „Es ist der Herr“. Denn er ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.  Halleluja.
 
Auf gesündere Zeiten hoffend wünscht Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest,
 
Ihr Pfarrer
 
Peter Bulowski

Osterbild 13. Jahrhundert 
Osterbild 13. Jahrhundert