Synodaler Weg als Chance: Vorstand des Katholikenrates bei Bischof Dr. Gerber

30.01.2020

"Wir stimmen darüber ein, dass der synodale Weg als Chance für die Kirche in Deutschland zu verstehen ist", so fasst Steffen Flicker, der Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Fulda, die gemeinsamen Beratungen des Vorstandes mit Bischof Dr. Michael Gerber zusammen. Der zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken vereinbarte Synodale Weg und die dort geplanten Synodalforen waren Themen des Gespräches des Katholikenratsvorstandes mit Bischof Dr. Michael Gerber.

"Papst Franziskus fordert uns auf, eine synodale Kirche zu werden und unseren Weg gemeinsam zu gehen. Es soll ein Weg sein, der dazu dient, einen neuen Aufbruch im Licht des Evangeliums zu wagen und dabei über die Bedeutung von Glaube und Kirche in unserer Zeit zu sprechen",betonte Steffen Flicker. Zum Synodalforum 1 „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche –Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, sagte Vorstandsmit-glied Egon Schütz, Geisa, das Bistum Fulda befinde sich auf dem Weg, Macht und Verantwortung neu zu verteilen. Der Katholikenrat wünsche sich einen transparenten Dialog über die Rolle des Priesters, in den auch die Gremien des Bistums eingebunden sind. Bischof Dr. Gerber erläuterte, es gehe darum, miteinander Synodalität zu praktizieren und mit Verschiedenheiten und Unterschiedlichkeiten umzugehen. Vorrangig müsse es beim Synodalen Weg um Neuevangelisierung gehen. Für das Bistum Fulda überlege eine der jetzt neu ins Leben gerufenen Fachgruppen „Führen und Leiten“, wie Leitung stärker als bisher kooperativ gestaltet werden kann. Dadurch könne auch das Profil des priesterlichen Dienstes gestärkt werden, wenn beispielsweise administrative Aufgaben durch entsprechende Experten wahrgenommen werden. Im Gespräch über das Thema des Synodalforums 2 „Leben in gelingenden Beziehungen –Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft “wies Vorstandsmitglied Christoph Heigel darauf hin, dass die Aussagen katholischer Morallehre öffentlich kaum noch wahrgenommen werden. Bischof Dr. Gerber erläuterte, dass in der kirchlichen Tradition die gelebte Homosexualität als wieder-natürlich verurteilt wurde. Die Diskussion im Rahmen der Vorbereitung des Synodalen Weges zeige, dass es derzeit innerhalb des Synodalen Weges keinen Konsens zu Themen der Sexualmoral gäbe. Er hoffe, dass der Synodale Weg hier neue Chancen für einen Dialog biete. Weiterhin sprach er an, mittelfristig eine Überarbeitung des kirchlichen Arbeitsrechtes anstünde. Kirche verstehe sich als priesterliches Volk Gottes, berichtete Vorstandsmitglied Thomas Ebert bei seiner Einführung in die Inhalte des Synodalforums 3 „Priesterliche Existenz heute“. Priesterlicher Dienst bedeute ein Leben in Beziehung. Bischof Dr. Gerber unterstrich, dass die Entscheidung zum Priester nicht nur Entscheidung für einen Beruf, sondern eine Entscheidung für eine Lebensform sei. Sowohl für Priester als auch für Ehepaare müssen überzeugende Wege gefunden werden, Beziehungen zu leben und den hohen Erwartungen, die gerade auch an Priester gestellt werden, gerecht zu werden. Als Nagelprobe für die Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns bezeichneten Mechthild Struß und Beate Müller vom Katholikenratsvorstand die Frauenfrage. Das Synodalforum 4 „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ fordere, mehr Frauen in Leitungspositionen einzubinden. Bischof Dr. Gerber unterstrich dies und betonte, dass man im Bistum Fulda zum Beispiel im neu geschaffenen Diözesanvermögensverwaltungsrat bewusst auf eine mehrheitliche Besetzung durch Frauen hingewirkt habe. Es brauche Frauen in kirchlichen Leitungspositionen, weil es dort um Prozesse gehe, die nicht allein aus einer männlichen Perspektive beurteilt werden könne. In Absprache mit den Delegierten des Bistums Fulda in den Synodalen Weg, Marcus Leitschuh, Kassel, und Pfarrer Dr. Michael Müller, Bad Soden-Salmünster, wurde vereinbart, den Synodalen Weg zum Thema einer gemeinsamen Sitzung von Priesterrat und Katholikenrat am 25. September 2020 in Fulda zu machen. Die erste Synodalversammlung des Synodalen Weges findet am 30. Januar und 1. Februar 2020 in Frankfurt am Main statt. 


Foto(v.l.n.r.): Dr. M. Gerber, Dr. M. Müller, Chr. Heigel, St. Flicker, M. Leitschuh, B. Müller, M. Golla, M. Struß, Th. Ebert, Th. Renze, E. Schütz  
Foto(v.l.n.r.): Dr. M. Gerber, Dr. M. Müller, Chr. Heigel, St. Flicker, M. Leitschuh, B. Müller, M. Golla, M. Struß, Th. Ebert, Th. Renze, E. Schütz