Bischof predigte in der Elisabethkirche: „Raus aus der Burg“ als Mahnung einer Heiligen

19.11.2019

Zum achtzehnten Mal in Folge waren Kassels haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Dekanat Kassel-Hofgeismar zum sogenannten "Elisabethtag" am vergangenen Sonntag eingeladen.


Dass die Elisabethkirche zum Dankgottesdienst bis auf den letzten Platz gefüllt war, das hatte wohl vor allen Dingen einen Grund: Neugier auf Bischof Dr. Michael Gerber, mutmaßte Dechant Harald Fischer in seiner Begrüßung. Bischof Dr. Gerber erinnerte in seiner Predigt daran, dass die Heilige Elisabeth rund um die Wartburg eine in ihren Augen „verkehrte Welt“ vorgefunden habe. Für sie seien die gesellschaftlichen Missstände und Nöte der Menschen der Auslöser gewesen, die Burg zu verlassen und zu den Menschen zu gehen. „Raus aus der Weg“ sollten wir deshalb auch heute als Bewegung der Heiligen Elisabeth unterstützen, denn eine „verkehrte Welt gibt es auch heute unter uns“, so der Bischof. Er nannte den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, die Motive des mutmaßlichen Mörders und Hasskommentare im Internet als Belege dieser Beobachtung. Gleichzeitig schilderte Gerber seine Wahrnehmung, dass wir „in Gefahr sind, uns auf die jeweilige Burg der eigenen Meinung zurück zu ziehen“. Deshalb rief Bischof Dr. Gerber mit Blick auf Kirche und Gesellschaft auf: „Suchen wir das Gespräch auch mit denjenigen, die dezidiert andere Meinungen vertreten“. Deshalb sollten wir „aus der eigenen Burg nach unten gehen“ und andere Meinungen nicht als Ballast empfinden und „neugierig, wach und aufmerksam bleiben, wen wir beim Verlassen der Burgen begegnen.“




Fotos: Kerstin Leitschuh / Marcus Leitschuh