Brotbacken und Predigen sind ihm wichtig: André Lemmer wird Pfarrer von Sankt Elisabeth

13. Jun 2022

André Lemmer (39) wird ab dem 15. September 2022 Pfarrer der Pfarrei Sankt Elisabeth. Das hat Bischof Michael Gerber in Fulda bekannt gegeben. Zu der Pfarrei gehören die Kirchorte St. Joseph am Rothenberg, die Elisabethkirche, St. Laurentius und St. Bonifatius, zwei Kindergärten und eine Kapelle auf der Hasenhecke. „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe und bin gespannt auf alle Begegnungen und Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen können“, so André Lemmer in einem Brief an die Gemeindemitglieder.

Andre Lemmer
Andre Lemmer

Geboren wurde Lemmer 1983 in Marburg/Lahn und wuchs in Mardorf bei Amöneburg auf. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Biologielaboranten, arbeitete in der Forschung und Entwicklung und später in einer Produktkontrollabteilung. „In der Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2005 wurde mein Wunsch Seelsorger zu werden so groß“, blickt Lemmer zurück. Er kündigte den Job und machte das Abitur auf dem 2. Bildungsweg Erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kolleg in Neuss, ging zum Studium nach Fulda und Rom. Nordhessen kennt er bereits aus seiner Vorbereitungszeit auf die Priesterweihe, weil er in Fritzlar sein Diakonatsjahr verbrachte. 2018 wurde er zum Priester geweiht.

Es schlossen sich vier Kaplansjahre in der Pfarrei St. Raphael Gelnhausen an. „In dieser Zeit ist die Pfarrei einen Weg der pastoralen Innovation gegangen, mit dem ich viel Motivation, aber auch Ideen verbinde, die ich mit nach Kassel bringe“, so André Lemmer. Etwas verbindet ihn schon seit 2019 mit der Elisabethkirche. Damals erhielt er für das Projekt „Theologie am Fass“ den Hauptpreis „Pastorale Innovation“ im Bistum Fulda. Die Elisabethkirche wurde gleichzeitig für die Kulturarbeit ausgezeichnet. Lemmer: „Mir liegt es, als Christ an - auf den ersten Blick - ungewöhnlichen Orten mit Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen, aber auch ganz unverzweckt Kultur zu gestalten und zu genießen. Da ist die Elisabethkirche ein guter Ort“, freut sich André Lemmer.

Wurst und Brot macht er selber und tritt als Poetry Slamer auf

Seine Stimme kennt man aus Verkündigungssendungen im Radio oder auch von den Bühnen. Ab und an tritt er als Poetry Slamer auf, backt Brot und stellt Wurst her. Wert legt der junge Priester nicht nur auf Seelsorge, sondern auch das Pflegen von ganz normalen Hobbies. Dass zum Pfarreigebiet auch die Fulda gehört, freut den passionierten Angler. „Zum Ausgleich meiner seelsorglichen und bisweilen auch bürokratischen Aufgaben ist es mir immer wichtig, auch etwas Praktisches, Handwerkliches zu tun und das schönste Hobby zu pflegen: Kochen“, so Lemmer. „Und nach einem guten Essen bin ich gerne bereit auch mal ein Skatblatt zu reizen.“

Gottes frohe Botschaft sichtbar machen

André Lemmer freut sich sehr auf die Menschen in Kassel, „mit denen ich über Gott und die Welt sprechen kann, denn beides gehört zusammen“, ergänzt er. „Ich bin neugierig auf alles, was in der Pfarrei und in der Stadt schon alles unternommen wird, um die frohe Botschaft des Evangeliums sichtbar zu machen. Ich habe Lust auch Neues gemeinsam mit den Ehren- und Hauptamtlichen zu gestalten.“ Ganz bewusst hat er die Stelle angenommen, weil ihn nach der Zeit in Ober- und Südhessen jetzt auch die nordhessische Diaspora mit dem städtischen Leben reizt.
Überhaupt steht er mitten im Leben und geht gerne neue Wege. Lemmer schmunzelt: „In
Margretenhaun habe ich Spenden für das neue Pfarrheim gesammelt, in dem ich fünf
Mangalizaschweine auf einer Weide großgezogen habe. Das war eigentlich ein Scherz aus einer Bierlaune, der real wurde. So etwas mag ich.“ Und in Fritzlar hat er zusammen mit Geflüchteten neben dem Dom eine Aquaponikanlage betrieben und dort Tilapia und Gemüse gezüchtet. „Mal sehen, was mir in Kassel so einfällt“, ergänzt er schelmisch. Dass ihm etwas einfallen wird, daran zweifelt man nicht, wenn man ihm zuhört.

Lemmer: „Gestalt von Kirche wird sich immer ändern“

Für den ökumenisch orientierten Katholiken steht fest: „Gott wirkt in dieser Welt – auch und gerade heute. An uns liegt es, dieses Wirken jeden Tag neu zu entdecken und in unser Leben zu integrieren.“ Das bedeutet aus seiner Sicht: „Die Gestalt von Kirche wird sich immer ändern, aber weder ist eine vergangene Form nur schlecht, sondern nur nicht mehr passend für diese Zeit, noch eine Zukünftige einfach nur besser, da sie ja wieder nur eine Zeit lang passt.“ Gerade die direkte Begegnung mit Menschen ist ihm wichtig und da über Gott zu sprechen, wo die Menschen sind. Ob in der Kirche, Kneipe oder beim Skatspielen. „Aus unserer Gotteserfahrung dürfen wir erzählen. Wenn ich einen Menschen neugierig machen möchte auf Gott, zählt in einem ersten Schritt meine ganz persönliche Gotteserfahrung.“ Natürlich kämen später auch Theologie, Kirchengeschichte, Heilige und die Weltkirche hinzu, „aber am Anfang zählt einzig und allein das
Erzählen wo mich Gott trägt, hält, zum Lachen bringt und mir zeigt, wie durch ihn mein Leben an Qualität gewinnt.“

Verwaltung effizient gestalten, damit Seelsorge möglich ist

André Lemmer weiß, dass die auch die Kasseler Katholikinnen und Katholiken intensiv über Fusionen als Reaktion auf den Priestermangel debattieren. In Gelnhausen hat er eine solche Fusion bereits erfolgreich mitgestaltet und sieht positiv in die Zukunft: „Große Pfarreien bedeuten für mich nicht weniger, sondern mehr. Es gilt die Verwaltungsstruktur effizienter zu gestalten, nicht die seelsorgerischen Angebote zu streichen. Im Gegenteil hat die Struktur eine dienende Funktion
gegenüber der Pastoral.“ Er hat keine Angst vor Veränderungen: „Sicher werden sich auch pastorale Angebote ändern, aber dies nicht aus der Struktur heraus. Jeder Kirchort ist wertvoll genau da wo er ist. Das soll so bleiben. Dabei ist es aus meiner Sicht unerheblich, wie die Pfarrei heißt und wo das zentrale Pfarrbüro ist“, so seine Bilanz.

„Wir freuen uns sehr, dass die Stelle wieder besetzt werden konnte“, freut sich Georg Klein, Sprecherdes Pfarrgemeinderates. Klein: „Unsere Pfarrei hat mit den Schwerpunkten Soziales in St. Joseph am Rothenberg und der Kulturarbeit in der Elisabethkirche ganz unterschiedliche Schwerpunkte.Die klassische Gemeindearbeit findet hauptsächlich am Kirchort St. Bonifatius statt, Ergänzt wird die
Vielfalt durch zwei Kindergärten und Gottesdienste in St. Laurentius. Wir sind froh, dass Pfarrer Lemmer mit uns diese Vielfalt weiter entwickeln möchte.“