Jubiläumswochenende „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

17. Aug 2021

Mit der Lesung aus ihrem Buch „Von Kassel nach Haifa. Die Geschichte des glücklichen Juden Hans Mosbacher“ ruft Eva Schulz-Jander einen Bürger der Stadt Kassel als Teil jüdischer Stadtgeschichte in Erinnerung. Das Kammerkonzert „Lebenswege“ präsentiert Klaviertrios von drei jüdischen Komponisten aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen.



Konzertlesung „Kassel nach Haifa“ in der Elisabethkirche


Kassel. Mit der Lesung aus ihrem Buch „Von Kassel nach Haifa. Die Geschichte des glücklichen Juden Hans Mosbacher“ ruft Eva Schulz-Jander einen Bürger der Stadt Kassel als Teil jüdischer Stadtgeschichte in Erinnerung. Anlass ist das Jubiläumswochenende „1700 Jahre jüdisches Leben in Kassel. Hans Mosbacher, 1882 in Kassel geboren, entstammt einer assimilierten jüdischen Unternehmerfamilie. Nachdem ihm 1937 in Nazideutschland die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, emigrierte er im gleichen Jahr mit seiner Familie nach Palästina, wo er sich ein neues Leben aufbaute.


Die Lesung wird umrahmt mit Musik jüdischer Zeitgenossen Hans Mosbachers. Erwin Schulhoff und Zikmund Schul zählen zu den Komponisten, die in nationalsozialistischen Internierungslagern zu Tode kamen und deren Werke heute weitgehend unbekannt sind – auch weil sie zum Teil als „entartet“ gelistet worden waren. Ihre lange und zu Unrecht verstummten Klänge sollen mit diesem Konzert wieder zu Gehör kommen. Kurt Weill und Ruth Schonthal flohen in den 1930er- Jahren aus Deutschland und fanden nach verschiedenen Stationen in den USA eine neue Heimat. Ihre Werke spiegeln die verschiedenen kulturellen Einflüsse ihres bewegten Lebens wider und zeigen, wie Musik uns über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg miteinander zu verbinden und zu berühren vermag. Diese sehr unter- schiedliche Musik soll durch die Interpretinnen dem Vergessen entrissen werden. Mitwirkende sind Malena Pflock, Violoncello und Anna Göbel, Violine.


Kammerkonzert in der Elisabethkirche


Kassel. Das Kammerkonzert „Lebenswege“ präsentiert Klaviertrios von drei jüdischen Komponisten aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen. Anlass ist das Jubiläumswochenende „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Das Konzert findet am Sonntag, 29. August 2021, um 19:30 Uhr in der Elisabethkirche Kassel statt.
Die Lebenswege von Paul Ben-Haim, Felix Mendelsohn-Bartholdy und Mieczyslaw Weinberg sowie die Rolle, die ihr Jüdisch-Sein für ihr künstlerisches Schaffen gespielt hat, könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihre Werke berühren gleichermaßen durch ihren tiefen Ausdruck von Sehnsucht, Leidenschaft, Freude und Schmerz. Mit: Heidemarie Mravlag, Violoncello; Isabel Gabbe, Klavier und Anna Göbel, Violine.


Felix Mendelssohn-Bartholdy, geb. 1809, entstammte einer angesehenen bürgerlichen Familie. Er war ein Enkel des Philosophen Moses Mendelssohn. Die jüdische Herkunft spielte im weitgehend assimilierten Elternhaus eine untergeordnete Rolle, die vier Geschwister wurden protestantisch erzogen und getauft. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt und gefördert, so dass er bereits in seiner Jugend in ganz Europa konzertierte. Nach Stationen in London, Düsseldorf und Frankfurt wurde er als Kapellmeister ans Gewandhaus in Leipzig berufen, wo er die 1. Musikhochschule Deutschlands gründete und bis zu seinem Tode 1847 tätig war. Paul Ben-Haim wurde 1897 in München geboren, wo er Klavier und Komposition studierte. Am Staatstheater Augsburg sammelte er Erfahrungen als Kapellmeister, doch eine weitere Karriere in Deutschland wurde durch den Aufstieg des Nationalsozialismus vereitelt. 1933 emigrierte er nach Palästina und lebte seitdem als Komponist und Dirigent in Tel Aviv. Ben-Haims Frühwerk war vom Einfluss der deutschen Spätromantik geprägt, doch mit der Ankunft im Nahen Osten vollzog sich eine Abkehr von alten Vorbildern. Unter dem Einfluss des französischen Impressionismus sowie der Melodik und Rhythmik jüdischer und arabischer Volksmusik entstand eine neue Klangsprache. Heute zählt Ben-Haim zu den meistgespielten israelischen Komponisten, ist jedoch in Deutschland eher unbekannt. Er starb 1984. Mieszyslaw Weinberg begann seinen musikalischen Werdegang in Warschau, wo er 1919 geboren wurde. Als Student konnte er gerade noch rechtzeitig vor dem Überfall der deutschen Wehr- macht aus Polen fliehen. Seine gesamte Familie wurde ermordet. Das Klaviertrio entstand 1945 unter dem Eindruck des Kriegs. Nach Aufenthalten in Minsk und Taschkent kam er nach Moskau, doch in der stalinistischen Sowjetunion fielen seine Werke wegen „formalistischer Tendenzen“ in Ungnade. 1953 wurde er verhaftet und unter fadenscheinige antisemitische Anklagen gestellt. Stalins Tod einen Monat später rettete ihm das Leben. Er starb 1996.


Da wegen der geltenden Abstandsregeln die Platzzahl in der Elisabethkirche begrenzt ist, ist eine Anmeldung erforderlich. Bitte melden Sie sich an unter: info@cjz-kassel.de oder telefonisch unter 05 61 87 94 79 54. Veranstalter ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel in Kooperation mit dem Sara-Nussbaum-Zentrum Kassel.


Hintergrund: 2021 steht Deutschland in besonderem Fokus, denn im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren auf dem Territorium des heutigen Deutschlands. Zu diesem Anlass gründete sich der Verein „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“. Der Verein ist ein Portal für alle Interessierten und zugleich Plattform für gemeinnützige Organisationen, Vereine, Religionsgemeinschaften, Parteien und Unter- nehmen, die einen aktiven Beitrag zum Festjahr „2021 – Jüdisches Leben in Deutschland“ leisten möchten. Neben einem zentralen Festakt finden bundesweit Veranstaltungen in Kunst und Kultur, Bildung, Religion, Tradition und Wissenschaft statt, die Begegnungen ermöglichen und deutliche Zeichen gegen einen wach- senden Antisemitismus setzen. www.jlid.de