Installation "Statik der Resonanz" von Anne Gathmann in der Elisabethkirche

18.05.2017

Die Katholische Kirche eröffnet zur documenta-Zeit einen eigenen Raum für Gegenwartskunst: die Elisabethkirche am Friedrichsplatz. Zu sehen ist die Installation „Statik der Resonanz“ der Berliner Künstlerin Anne Gathmann. Die Ausstellung wird am 25. Mai, 15 Uhr durch Bischof Heinz Josef Algermissen eröffnet. Bis 23. September gibt es zudem ein abwechslungsreiches Begleitprogramm aus Konzerten und Vorträgen mit Publikumsgespräch.

In der Elisabethkirche Kassel zeigt die Künstlerin Anne Gathmann vom 25. Mai bis 23. September ihre Installation „Statik der Resonanz“, die sie exklusiv für den Kirchenraum am Friedrichsplatz entworfen hat. Das Band aus mehr als viertausend Aluminiumelementen durchmisst in Form einer Kurve das ganze Kirchenschiff. Mit ihrer Gestaltungsidee gewann sie das Auswahlverfahren, bei dem sieben Künstlerinnen und vier Künstler 2015/2016 ihre Ideen für die Elisabethkirche in öffentlichen Veranstaltungen vorstellten.

Das Motiv der Falte

Die rohen Materialien, die einfachen Formen, die industrielle Anmutung - das hat Anne Gathmann für die Elisabethkirche, ein Bau der Nachkriegsmoderne, eingenommen: „Was mich besonders ansprach, ist, wie das Motiv der Falte das Gebäude prägt. Unter anderem darin, wie Innen- und Außenraum ins Verhältnis gebracht werden.“ Dies zeige sich beispielsweise im Dreifaltigkeitsrelief an der Außenwand, das sich in den Innenraum eindrückt. „Das Außen gehört dem Innen an.“, so Anne Gathmann: „Mit der Falte, die auch für das Verborgene steht, assoziiere ich eine Möglichkeitsform des Werdenden, des Latenten, sich permanent Aktualisierenden.“

 

Eine Einladung

Die Installation „Statik der Resonanz“ ist eine Einladung, den äußeren Raum zu verinnerlichen und damit einen neuen inneren Ort zu erkunden. Aus tausenden Elementen, „die sich in ihren Kräften und in der Gravitationskraft einfinden“, entsteht die Kurve. Durch sie „entwickelt und öffnet der Raum sich nach oben, wodurch der physikalische Raum sich in einen geistigen verwandelt.“ schreibt der Baseler Kunstkritiker Aurel Schmidt zur Installation in der Elisabethkirche.

 

Resonanz

Für die Künstlerin ist der Luftraum oberhalb Gemeinde ein großer, offener, unbesetzter Raum. Gerade in seiner Leere habe er eine wichtige Funktion: Er kann Resonanzraum sein für Stimmen, für Klang aber auch für Stille, „für alles, was dort bewegt, gehalten und geteilt wird", sagt Anne Gathmann. Die Kurve im Raum der Elisabethkirche greift das Motiv der Faltung auf, welches die Architektur der Kirche prägt. Sie antwortet dem Kirchenraum als Resonanzraum und verweist auf das Nichtsichtbare und Außersprachliche. Gathmann: „Ihre konkrete Wirkung und die Wechselwirkungen im Raum kann und möchte ich allerdings nicht vorwegnehmen. Was sich einstellen wird, bleibt für mich im positiven Sinn unberechenbar."

Für die Künstlerin ist die Linie durch den Raum „eine Antwort auf den Kirchenraum als Resonanzraum“. Der nach oben führende Raumkörper stellt in seiner Leere eine entgrenzte Klangsituation und auch im übertragenen Sinn einen Resonanzraum dar. Kommunikation und Innerlichkeit werden hier gehalten und geteilt, seien dies Stimmen, Klang, oder Stille. Die Falte und die Resonanz haben für die Künstlerin gemeinsam, dass sie etwas bergen und aktivieren können. Die Kurve im Raum der Elisabethkirche greift diese Motive auf und verweist auf das Nichtsichtbare und Außersprachliche. Mit dem Eingriff will sie eine Verschiebung auslösen. Gathmann: „Ihre konkrete Wirkung und die Wechselwirkungen im Raum möchte ich allerdings nicht vorwegnehmen.“

 

 

Vernissage an Christi Himmelfahrt, 25. Mai Am 25. Juni um 15 Uhr wird die Ausstellung durch den Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen eröffnet. Dr. Hanne Loreck, Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaft/Gender Studies an der Hochschule für bildende Künste Hamburg,   stimmt auf das Werk von Anne Gathmann ein. Musikalisch wird die Vernissage von Emmanuel Le Divellec an der Bosch-Bornefeld-Orgel gestaltet. Mit einer Aufführung von „Schleusen (sonor)“, einer Komposition für sechs Signalgeneratoren von Ursula Bogner, unter Leitung von Jan Jelinek und Tim Tetzner (Berlin) erweist sich Resonanz auch als hörbare Spurensuche. Dazu sind alle herzlich eingeladen.

 

Täglich geöffnet, regelmäßige und individuelle Führungen Bis zum 23. September wird die Elisabethkirche dann täglich für Besichtigungen geöffnet sein, sonntags von 12 bis 20 Uhr, die anderen Tage von 11 bis 20 Uhr. Öffentliche Führungen finden donnerstags (19:30 Uhr), samstags (17:00 Uhr) und sonntags (15:30 Uhr) statt. Individuelle Führungen können über Telefon 0561 7004 170 vereinbart werden.

 

Fast jeden Sonntag Vortrag mit Publikumsgespräch Wie reagiert der Kirchenraum auf die Installation „Statik der Resonanz“? Zu was bewegt die geschwungene Linie die Betrachterinnen und Betrachter? Wie steht es um die komplexe Beziehung zwischen Kirche und Kunst? Was hat Gott mit Kunst zu tun - und umgekehrt? Welche Wirkungen haben die Themen, die die documenta 14 anschlägt? Wer ist eigentlich der „schöpferische Mensch“? Und muss er im Mittelpunkt stehen? Das sind nur einige der Fragen, die Stoff für die sonntäglichen Vorträge bieten. Neben documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff (06.08.), Dr. Birgit Jooss, Direktorin des documenta Archivs (13.08.) und Hans Eichel kommen namhafte Theologen und Kunstdenker zu Wort: Bazon Brock, Thomas Sternberg, Reinhard Hoeps, Dieter Mersch, Rayan Abdullah, Josef Meyer zu Schlochtern, Walter Zahner, Marcus Scheule, Markus Tomberg, Cornelius Roth, Matthias Helmer, Peter-Matthias Gaede und Dr. Burghard Preusler. Das Vortragsprogramm startet am 28. Mai mit einem Gespräch zwischen der Künstlerin Anne Gathmann und Christoph Baumanns, Projektleiter der Ausstellung, und wird am 11. Juni fortgesetzt mit einem Vortrag von Dr. Matthias Helmer von der Theologischen Fakultät Fulda zum Thema „Soll ich mir ein Bild von Gott machen – Gott im Film“. Einen Überblick über alle Vorträge finden Sie unter www.kunstraumkirche.de.

 

„Auf eine halbe Stunde Musik“

Zur Ruhe kommen – dem ist die halbe Stunde Musik gewidmet, die jeweils donnerstags ab 19 Uhr live in der Elisabethkirche erklingt. Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel bringen Stücke zur Aufführung, von denen einige speziell für den Kirchraum mit der Installation "Statik der Resonanz" ausgewählt werden. Das Programm wird immer eine Woche vorher auf www.kunstraumkirche.de www.facebook.de/elisabethkirche und in den Medien bekanntgegeben.

 

Zahlreiche Extras

Neben den regelmäßigen Kurzkonzerten am Donnerstag bietet das Ausstellungsprogramm zahlreiche Extra-Veranstaltungen an. So gibt es am 30. Mai das Preisträgerkonzert des Kompositionswettbewerbs zum Lutherjahr 2017 „Ein feste Burg ist unser Gott“. Am 13. Juni folgt das Orgelkonzert mit Darstellendem Spiel der Schülerinnen und Schüler der Jacob-Grimm-Schule. Am 23. Juni findet die Nacht der offenen Kirche auch in der Elisabethkirche statt: „Stündlich Orgel+“ heißt das Nachtprogramm. Am 12. September musizieren Flüchtlinge und einheimische zusammen: „Miteinander singen, gemeinsam trommeln, aufeinander hören“ ist das Motto ab 19 Uhr. Das sind nur einige Beispiele der Extra-Veranstaltungen. Dabei setzen die Ausstellungsmacher auch auf Kooperationen mit anderen kreativen Veranstaltern und Veranstaltungsreihen: die Reihe "Plasma" des Konzertvereins Kassel, die Jahresreihe "Musik in der Elisabethkirche", die "Freunde des Stadtmuseums" und mit "Wir schaffen das! Aber wie? Wege zur Integration", eine Veranstaltungsreihe der Katholischen Kirche Kassel.

Die Infos zu allen Veranstaltungen werden jeweils aktuell auf www.kunstraumkirche.de sowie auf www.facebook.de/elisabethkirche präsentiert.

 

Gottesdienste

Auch wenn „Statik der Resonanz“ oft eine Ausstellung genannt wird, so hat sich der Kirchenraum doch nicht zu einem Ausstellungsraum gewandelt, sondern bleibt ein liturgischer Raum für Gebete und Gottesdienste. Heilige Messen gibt es samstags, sonntags, dienstags und donnerstags. Ab 14. Juni kann jeden Mittwoch ab 13 Uhr eine Pause in der Elisabethkirche gemacht werden – mit „Musik, Wort und Innehalten“. Am Freitag, 8. September, beginnt ab 16:30 Uhr die Nacht der Lichter.

 

Katalog erscheint zur Eröffnung

Die Berliner Agentur BANK TM Graphic Design Today hat gemeinsam mit der Künstlerin und den Veranstaltern eine Sprache und einen Stil für die Außendarstellung gefunden, die eindrücklich das wesentliche Elemente der Installation zum Ausdruck bringt: die Resonanz und die einfache klare Form der Linie. Neben dem Kubus vor der Kirche, den Einladungs- und Ansichtskarten, Lesezeichen, Plakaten und dem zu einem Poster auseinanderfaltbaren Programm-Leporello erscheint zur Eröffnung der außergewöhnlich gestaltete Katalog zur Ausstellung im Kerber Verlag Bielefeld Berlin. Er dokumentiert nicht nur die Installation, sondern stellt auch das Gesamtwerk Anne Gathmanns vor. Das Buch ist sowohl von der Vorderseite als auch von der Rückseite aus zu lesen. Die Autorinnen und Autoren Prof. Dr. Hanne Lorek, Marcus Steinweg, Sami Khatib und Dr. Anna-Lena Wenzel lassen sich vom Werk Anne Gathmanns inspirieren und öffnen spannende. „ungeahnte“ Gedankenwelten zu „Statik der Resonanz“.

 

Ein starker Sponsorenpool

Wesentlich gefördert wird „Statik der Resonanz“ durch die Bank für Kirche und Caritas. In besonderer Weise engagieren sich Pioneer Investments, LGT Bank AG, St. Galler Kantonalbank Deutschland, Helaba Invest, Allianz Global Investors, Nüthen Restaurierungen, Vontobel Asset Management, Ohm und Häner Metallwerk. Auch artec architekten, Union Investment Institutional, Ingenieurbüro D*B*H Bachmann, HypoVereinsbank Nürnberg und München, Domhöfer Elektrotechnik, Maler Maindok und Backes & Scholz Elektrotechnik unterstützen das Ausstellungsprojekt.

 

In der Elisabethkirche zur Ruhe kommen

Mit „Statik der Resonanz“ nimmt die Katholische Kirche vor Ort zum vierten Mal die documenta-Zeit als Gelegenheit wahr, einen eigenen Raum für Gegenwartskunst zu öffnen. Damit beteiligt sie sich am lokalen sowie globalen Ideenaustausch und dem gerade während der documenta inspirierenden öffentlichen Dialog darüber, was Kunst sein und was sie bewirken kann. Viele der Menschen, die aus aller Welt wegen der Kunst nach Kassel kommen, haben zwischendurch das Bedürfnis, die ‚Sinne zu beruhigen‘, sich von den unzähligen Eindrücken zu erholen. Die Ausstellung in der Elisabethkirche macht das möglich: Der Kirchenraum wird zum Raum der Besinnung und der Konzentration.